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Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Mahnmal im Herzen der Stadt Berlin

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz im Berliner Bezirk Charlottenburg ist ein einzigartiger Mix aus klassischer Baukunst und zeitgenössischer Architektur. Wie viele Bauwerke der Stadt erzählt sie von einer bewegten Vergangenheit und gilt als einzigartige Gedenkhalle und Mahnmal gegen den Krieg. Mit zahlreichen Kunstwerken zählt sie zu den Architekturjuwelen Berlins.

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Die Geschichte der alten Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche ist von zwei Jahrzehnte auseinanderliegenden Bauperioden geprägt. Die Turmruine in der heutigen Form geht auf den neoromanischen Sakralbau zurück, den Kaiser Wilhelm II. Ende des 19.Jh. in Auftrag gab.

Dafür wurde ein viel beachteter Architekturwettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich schließlich Franz Schwechten durchsetzte. Mit seinem Entwurf, der sich an den für seine Heimat im Rheinland typischen romanischen Bauten orientierte, überzeugte er die Jury. Form und Anzahl der Türme erinnerte an das beeindruckende Bonner Münster.

Überlieferungen zufolge verfolgte das Kaiserpaar den Fortschritt aufmerksam und war während der vierjährigen Bauzeit mehrmals vor Ort. Für die Finanzierung von 6,8 Mio. Mark kam allerdings nicht der Adel, sondern die deutschen Provinzen und Einzelpersonen auf.

Am Vorabend des Sedantages, der an die Kapitulation der französischen Truppen im gleichnamigen Krieg erinnerte, wurde die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am 1. September 1895 feierlich eingeweiht.

Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mit dem gebrochenen Turm und dem modernen Glockenturm

Gewöhnen mussten sich die Wölfe im nahegelegenen Zoologischen Garten an das ohrenbetäubende Glockengeläut: Sie heulten nämlich zum Klang mit.

Beeindruckend war damals der 113m hohe Turm, der heute in einer Ruine erhalten ist. Ebenso außergewöhnlich präsentierte sich der Innenraum mit kunstvollen Mosaiken, die eine Gesamtfläche von 2.760m² einnahmen.

Die Zerstörung und der Wiederaufbau

Schicksalhafte Stunden erlebte die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in der Nacht vom 22. auf den 23. November 1943, als im Zuge eines britischen Luftangriffs weite Teile des Sakralbaus in Brand gerieten. Dabei brach der gesamte Dachstuhl über dem Kirchenschiff zusammen und auch die Spitze des Glockenturms wurde beschädigt.

Die damalige Regierung versprach der Bevölkerung den Wiederaufbau in vollem Glanz. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die Alliierten andere Prioritäten und so kam es zum weiteren Verfall.

Breitscheidplatz mit der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, dem gebrochenen Turm und dem modernen Glockenturm

Erst im März 1957 sollte erneut ein Architektenbewerb die Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche besiegeln. Der renommierte Architekt Egon Eiermann, der unter anderem an der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität in Karlsruhe lehrte, wollte die Ruine ursprünglich komplett abreißen.

Dieses Vorhaben stieß jedoch auf große Ablehnung in der Bevölkerung, die für ein Gedächtnis an den Krieg sorgen wollte.

Schließlich kam es zu einem Kompromiss, der den Erhalt der nun auf 71m geschrumpften Turmruine vorsah. Am 9. Mai 1959 starteten die umfangreichen Arbeiten an der Ruine, am 17. Dezember 1961 weihte Landesbischof Otto Dibelius das Wahrzeichen ein.

Vom ihm gestiftet wurde mit dem 4,6m hohen und nahezu 300kg schweren Auferstehungschristus einer der markanten Kunstschätze im Innenraum. Alle anderen Elemente, die Sie im Innenraum sehen wie die Kanzel, der Altar und das Taufbecken, stammen aus der Feder Egon Eiermanns.

Seitdem sind die Turmruine in der Berliner Bevölkerung als “Hohler Zahn” und das Kirchenschiff mit acht Ecken sowie der neu errichtete Glockenturm als “Lippenstift und Puderdose” bekannt.

Weit über die Grenzen der deutschen Hauptstadt ist die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche für das einzigartige Flair im Innenraum berühmt. Dafür sorgen mehr als 20.000 blaue Glasfenster.

Blick auf die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin Deutschland

Sie stammen aus dem Atelier des französischen Designers Gabriel Loire. Schon vor der Eröffnung, nämlich im Jahr 1959, erfolgte die aufwendige Restaurierung der Uhr an der Turmruine, die rund 430.000 Mark kostete. Außergewöhnlich für eine Kirche ist die Beleuchtung mit modernen Leuchtstoffröhren.

Lage, Öffnungszeiten und Anfahrt

Adresse: Breitscheidplatz, 10789 Berlin

Öffnungszeiten: Die Gedächtniskirche hat täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, die Gedenkhalle ist von Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr, am Samstag von 10.00 bis 17.30 Uhr und am Sonntag von 12.00 bis 17.30 zugänglich. Am Karfreitag ist sie geschlossen.

Barrierefreiheit: An der Seite zum Kurfürstendamm befindet sich eine Rampe, die zum Podest hinaufführt. Auch ein behindertengerechtes WC ist vorhanden.

So kommen Sie zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Vom AMBER ECONTEL Berlin-Charlottenburg aus erreichen Sie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche mit dem Bus ab der Station Quedlinburger Straße bis zur Haltestelle Zoologischer Garten. Von hier aus sind es noch 400m bis zum Breitscheidplatz.

Weitere Anregungen für Ihren Aufenthalt in Berlin finden Sie auf unserer Seite » Die schönsten Sehenswürdigkeiten in Berlin

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